ÜBER SPRACHE

Montag, 13. Oktober 2014

Was spricht man eigentlich in... DEUTSCHLAND?

Ja klar… Deutsch!
Und wieder sind wir bei der ein-Staat-eine-Sprache-Problematik.
In Deutschland wird nämlich weitaus mehr als nur Deutsch gesprochen, auch wenn Deutsch natürlich Amtssprache und wichtigste Sprache im Alltag ist.

Hinzu kommen die (fast) unzählbaren Sprachen von Einwanderern aus aller Welt, stark angeführt vom Türkischen mit über zwei Millionen Sprechern.
Quelle: Wikipedia
Aber Deutschland hat außer Deutsch noch andere offizielle Sprachen, die als Minderheitensprachen bezeichnet werden und entweder bundesweit oder regional unter „besonderem Schutz“ stehen. Diese Sprachen haben teilweise weniger Sprecher als zum Beispiel das Türkische, haben jedoch einen offiziellen Status, da sie im Unterschied zu letzteren Sprachen im weitesten Sinne „indigen“ sind, also schon eine lange Zeit in Deutschland gesprochen werden.
Somit wird in der europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen, in der auch die Minderheitensprachen Deutschlands aufgenommen wurden, eine Minderheitssprache als von der Amtssprache und von Dialekten oder Sprachen der Zuwanderer verschieden definiert.

Offizielle Minderheitensprachen sind:

Niederdeutsch
Friesisch
Dänisch
Sorbisch
Romani

Durch die eben gegebene Definition sind Niederdeutsch und Friesisch somit nicht als Varianten des Hochdeutschen aufgeführt, sondern als eigene Sprachen anerkannt.
Das Sorbische ist dagegen keine germanische Sprache, sondern eine in Deutschland ansässige slawische Sprache, die in den Varianten Nieder- und Obersorbisch in Brandenburg und Sachsen gesprochen wird.
Romani oder Romanes ist die Sprache der Sinti und Roma, die schon vor mehr als einem Jahrhundert nach Deutschland gekommen sind. Die Sprache gehört der indoarischen Sprachfamilie an und ist damit nah verwandt mit Hindi und Urdu.
Außer dieser Minderheitensprachen besitzt auch die deutsche Gebärdensprache seit 2002 offiziellen Status.

Dass Deutsch nicht die einzige Sprache in Deutschland ist, sollte nun klar sein. So divers wie seine Einwohner sind nämlich auch die Sprachen in Deutschland, unabhängig davon, wie lange sie dort schon gesprochen werden.


Wünsche für das nächste „Was spricht man eigentlich in…“ bitte in die Kommentare. 

Donnerstag, 25. September 2014

In China wird mit Bildern geschrieben?

09:19 Posted by Jonas Lau , , , No comments
Dieser Mythos scheint sich immer noch zu halten…  – Kein Wunder, wenn man von der Presse auch so schöne Beispiele wie: – mù (Baum) oder – yuè (Mond) vorgesetzt bekommt, die in älteren Formen sogar noch wie ein Baum und ein Mond aussahen. Diese Zeichen sind in gewisser Weise Bilder – sogenannte Piktogramme. Aber kann man eine ganze Sprache nur in Bildern schreiben?

Chinesisch in Lang- und Kurzzeichen
Quelle: Wikipedia
In der heutigen chinesischen Schrift machen diese piktographischen Zeichen, genau wie ideographische Zeichen (also Zeichen, die abstrakt auf ein Begriff verweisen wie – shàng (oben) oder - sān (drei)) jedoch einen geringen Prozentsatz aller Zeichen aus. Viel produktiver war die Methode, eine Bedeutungskomponente mit einer phonetischen Komponente zu kombinieren, sodass die Aussprache einigermaßen abgelesen werden konnte und gleichzeitig ganz grob die Semantik vorgegeben wurde. Ca. 90% der Schriftzeichen entstanden nach dieser Methode. So steht – mā zum Beispiel für Mutter und enthält die Bedeutungskomponente - nǚ (Frau) und die Aussprachekomponente – mǎ (Pferd), die semantisch offensichtlich keinen Wert hat. Auch hier sind die eigentlichen „Bilder“ noch klar zu erkennen, jedoch kann nicht behauptet werden, dass ein Zeichen ein Bild ist!
Vielmehr steht jedes chinesische Zeichen für ein Morphem, das im Mandarin-Chinesischen auch jeweils nur aus einer Silbe besteht. Daher kann man auch von einer morpho-syllabischen Schrift sprechen. Und dabei verweist das Zeichen nicht – wie oft behauptet, primär auf die Bedeutung, also auf ein Objekt oder ein Konzept, sondern wie die meisten Schriften auf eine lautliche Einheit (hier eine Silbe inklusive Ton).

Wörter werden im modernen Mandarin-Chinesisch häufig aus mehr als einem Morphem/Schriftzeichen gebildet, was auch mit der großen Anzahl an Homonymen unter diesen Morphem-Silben zusammenhängt. 

Dienstag, 23. September 2014

Wenn Sätze gespalten werden

07:17 Posted by Jonas Lau , , No comments
Es gibt einige Strategien in den Sprachen der Welt, bestimmte Elemente zu fokussieren. Mal durch Intonation, mal durch Passivkonstruktionen oder auch durch Satzstellung. Fokus ist wichtig, um die entscheidende Information in einem Satz zu markieren und daher eine Kategorie, die auf die eine oder andere Art wahrscheinlich in allen Sprachen zu finden ist.

Um zu fokussieren werden Sätze manchmal sogar gespalten. Dieses Phänomen heißt Clefting, ist in einigen Sprachen zu finden und kann auch im Deutschen auftreten:

„Es ist die Sprache, die wir studieren.“

Was passiert hier genau?
Eigentlich könnte der Satz etwas simpler „Wir studieren die Sprache“ heißen. Das hervorgehobene Objekt „die Sprache“ wird jedoch abgespalten und in einem Hauptsatz zum Subjekt gemacht. Die restliche Information wird in einen Relativsatz gepackt, der das Subjekt näher beschreibt. So wird „die Sprache“ in der Hierarchie weit hochgestellt.
Im Deutschen benutzt man dafür meist die Formel:

„Es“ – fokussiertes Element – Kopula –  , – Relativpronomen – restlicher Satz

Der Satz mag ein wenig künstlich oder altmodisch klingen, Cleft-Konstruktionen sind aber in anderen Sprachen, wie dem Englischen um einiges produktiver und haben verschiedenste Ausprägungen.

So ist im Yorùbá (Niger-Kongo, Westafrika) ein Cleftsatz bei Ergänzungsfragen obligatorisch. – Das Fragewort wird fokussiert und genauso in der Antwort der Satzteil, der erfragt worden war.

ni
o
fẹ́?
Was
COP
2SG
wollen

Was willst du?

Eigentlich ziemlich logisch, oder? Dass in der Regel bei Fragen das Fragewort im Fokus steht, sieht man auch an der initialen Satzstellung im Deutschen: „Wann stehst du auf?“


Mittwoch, 17. September 2014

Eine Schrift zum Schnellschreiben

06:05 Posted by Jonas Lau , 1 comment
Quelle: Wikipedia
Sehr aus der Mode gekommen, aber trotzdem ziemlich interessant: 
Die Stenographie.

Schon im alten Griechenland und im römischen Reich bestand anscheinend der Bedarf an einer Schrift, die mit dem natürlichen Redefluss Schritt halten konnte. Und so wurden immer kompaktere Kürzel für mehr und mehr häufig verwendete Wörter entwickelt, die im Gericht oder bei wichtigen politischen Ereignissen das protokollieren erleichterten. Das Prinzip wurde über die Jahre weiterentwickelt und so brachte Franz Gabelsberger 1834 sein „kursives“ Stenographie-System heraus, das Grundlage für die noch heute benutzten Formen ist und auf dem Prinzip der Schreibschrift basiert. – Es wird also ein Wort geschrieben ohne den Stift abzusetzen. Auch Faulmanns Phonographie, die ich hier schon erwähnt hatte, ist durch das Gabelsberger System inspiriert worden.

Wie funktioniert nun Stenographie?

Zunächst gibt es das einfache Alphabet, bei dem alle Konsonanten und häufige Konsonantenverbindungen ein Zeichen haben:


Verbindet an sie zu Wörtern, gibt die Verbindung zwischen diesen Konsonanten-Zeichen die Art des Vokals an. Dabei ist Strichdicke, Abstand und Höhe des folgenden Zeichens entscheidend. Die Dicke wird durch einen weichen Bleistift erreicht:


Zusätzlich zu diesem Alphabet können mehrere Stufen an Verkürzungen gelernt werden, die den Schreibfluss mehr und mehr erleichtern. Parlamentsstenographen, die tatsächlich den natürlichen Sprechfluss aufzeichnen können, entwickeln ihre eigenen Kürzel, um eine maximale Geschwindigkeit zu erreichen. Diese Aufzeichnungen sind daher nur persönlich zu entziffern.
Kürzel können sowohl häufig vorkommende Prä- und Suffixe, Partikel oder ganze Wörter beinhalten und sind daher sprachspezifisch zu erlernen:


An Attraktivität hat die Stenographie leider verloren, da andere digitale Aufzeichnungsmöglichkeiten die Schnellschrift ablösen und der hohe Lernaufwand nur noch selten in Kauf genommen wird. Ich hatte mir diesen Aufwand gemacht und profitiere davon vor allem beim Schreiben von Notizen und in der Universität, auch wenn ich während des Lernens früher nicht daran gedacht hatte, dass ein Großteil der Vorlesungen einmal digital aufgezeichnet werden würde.

Die Beispiele außer das erste lange Bild zeigen das System Stolze-Schrey, das noch heute in der Schweiz benutzt wird, dem aber das gleiche Prinzip wie das der deutschen Einheitskurzschrift zugrunde liegt. Für mehr Infos: Hier.


Samstag, 13. September 2014

Was spricht man eigentlich in... MYANMAR?

Man hat schon von so einigen Ländern gehört, weiß vielleicht ungefähr, wo sie liegen könnten, aber weiß man auch, was dort gesprochen wird? Meistens nicht. Auf diese Wissenslücken möchte ich gerne eingehen, indem ich in unregelmäßigen Abständen auf die Sprachsituation eines Landes oder einer Region eingehe.

Zunächst einmal sollte man sich klar machen, dass die häufig anzutreffende Idee eines Staates mit genau einer Sprache, der Idee von sogenannten Nationalstaaten, praktisch nicht existiert. Weder in Ländern, die durch die Kolonisation entstanden sind, noch hier in Europa oder woanders auf der Welt. Wer trotzdem einen Staat kennt, in dem nur eine Sprache gesprochen wird, möge mir das bitte in den Kommentaren mitteilen.

Quelle: Wikipedia
Und so wird auch in Myanmar nicht nur eine Sprache gesprochen.
Politisch gesehen gibt es nur eine Amtssprache, die auch die meistgesprochene Sprache des Landes ist: Die Sprache der Birmanen mit einer Sprecherzahl von 32 Mio. (ethnologue)
Vielleicht klingelt’s nun bei einigen, denn Myanmar ist auch unter dem Namen Burma oder Birma bekannt. Sogar ein Ast der Sino-Tibetischen Sprachfamilie (Burmesische Sprachen) ist nach dieser Ethnie benannt.
Falls einige noch immer nicht wissen, was oder wo Myanmar ist: Das Land liegt in Südost-Asien, östlich von Indien, südlich von China und westlich von Thailand. Bekannt ist das Land leider vor allem für die Militärjunta, jedoch soll es auch ein perfektes Reiseziel abgeben.
Quelle: Wikipedia

Birmanisch ist wie die meisten Sino-Tibetischen Sprachen analytisch, ist außerdem eine SOV-Sprache, hat Töne und eine eigene Schrift, die so aussieht:  မြန်မာအက္ခရာ
Die Schrift hat ihren Ursprung in der Brahmi-Schrift, aus der viele indische Schriften entstanden sind. Wie die indischen Schriften ist sie eine sogenannte Abugida, bei der jeder Konsonant, der ohne Vokalzeichen geschrieben wird, ein a gelesen wird.
Die größte Minderheit in Myanmar stellen die Shan im Osten von Myanmar dar. Anders als das Birmanische ist die Shan-Sprache eine Tai-Kadai-Sprache und damit verwandt mit dem benachbarten Thai. Sie wird von ca. 3,2 Mio. Personen gesprochen. (ethnologue)
Auch Mon-Khmer-Sprachen sind in Myanmars Osten zu finden. So sprechen zum Beispiel insgesamt über 500.000 Personen dort eine der drei Varietäten von Palaung.

Zusammen werden 117 Sprachen in Myanmar gezählt.

Freitag, 5. September 2014

Carl Faulmann und die Schrift

06:13 Posted by Jonas Lau , No comments
Ein ganz besonderes Buch zum Schmökern bei mir zu Hause heißt „das Buch der Schrift“ und ist ein Sammelwerk an Alphabeten. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass dieses Buch, das in meinem Fall vom Flohmarkt stammt, noch immer unverändert publiziert wird. Und das, obwohl diese zweite Auflage schon 1880 veröffentlicht wurde.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia
Faulmann trug die Alphabete der verschiedenen Kontinente mühsam aus Fachzeitschriften, Grammatiken und Reisebeschreibungen zusammen und erreichte somit eine Vollständigkeit, die noch heute wert ist gedruckt zu werden. Besonders interessant ist das am Anfang erklärte „Standard-Alphabet“ – entwickelt von Karl Richard Lepsius zur einheitlichen Beschreibung der Laute und zum Transliterieren von Schriftsystemen. Dieses Alphabet ist also ein früher Vorläufer der IPA!
Sein eigener Beitrag ist das von ihm entwickeltes Stenographie-System „Phonographie“ Diese Schnellschrift soll erstmals komplett auf Orthographie verzichten und macht relativ feine Lautunterscheidungen.


Das Buch enthält neben den wichtigsten Alphabeten der Welt auch unbekanntere Schriften, Abkürzungen, Ligaturen und Symbole - begleitet von Kommentaren, die das Schriftsystem erklären und einen kurze Beschreibung zum Volk und zur Verwendung enthalten. So können unter anderem das griechische, armenische, amharische oder kambodschanische Alphabet, chinesische Schriftzeichen, Indische Silbenschriften, aber auch Kuriositäten wie das Mormonen-Alphabet entdeckt werden, das Faulmann sehr direkt kommentiert:

„Das obige, ganz willkürlich gebildete und speciell für die englische Sprache erfundene Alphabet hat offenbar keinen anderen Zweck, als durch die Fremdartigkeit der Zeichen die Täuschung zu verstärken, welche bei leichtgläubigen Gemüthern mit MORMON’S Buch beabsichtigt wurde.“


Ein Blick ins Buch ist auf jeden Fall zu empfehlen, weswegen dieses Fundstück auch sofort auf meine Bücherliste gesetzt wird.

Montag, 1. September 2014

Über die Herkunft von Wörtern

Woher kommen bestimmte Wörter? 
Was haben sie ursprünglich bedeutet?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Etymologie.

Sie geht dem Ursprung von Wörtern auf den Grund, zeigt, aus welcher Sprache sie vielleicht entlehnt wurden, wie sich Bedeutung verschoben hat und wie Entsprechungen in anderen Sprachen aussehen. Die Erforschung der Wortherkunft hilft uns, Bezeichnungen besser zu verstehen und ihre gesellschaftlichen Hintergründe zu erkennen. Etymologie ist quasi die Geschichte der Form und Bedeutung eines Wortes.

Woher ein Wort genau kommt, kann in einem sogenannten etymologischen Wörterbuch nachgeschlagen werden. Da wahrscheinlich nicht viele ein solches besitzen, kann ich für das Deutsche das

empfehlen, das nicht nur aus einem herkömmlichen Wörterbuch besteht, sondern auch die Ergebnisse des etymologischen Wörterbuchs anzeigt.
Wenn man zum Beispiel „Weib“ eingibt kann man sehen, dass das Wort mit englisch „wife“ verwandt ist, auch wenn die Bedeutung leicht verschoben ist

Leider noch nicht gelesen, aber vielversprechend zum Schmökern: Das kleine Etymologicum von Kristin Kopf

Donnerstag, 28. August 2014

Wie funktionieren chinesische Wörterbücher?

Heutzutage ist das Problem gar nicht mehr so relevant, denn das Internet bietet zahlreiche online-Ressourcen, die die Suche nach chinesischen Schriftzeichen enorm erleichtern. So kann man zum Beispiel bei nciku.com mit der Maus Schriftzeichen zeichnen und dann relativ effektiv erkennen lassen.

Aber wie lief das früher? Wie konnte man ein Schriftzeichen, das man nicht kennt, in einem Wörterbuch finden?

Nun, zunächst einmal sind die meisten Lexika und Wörterbücher alphabetisch nach der Romanisierung geordnet. Das heißt, alle Schriftzeichen können nach ihrer Aussprache in lateinische Buchstaben übertragen und somit alphabetisch geordnet werden. Aber das hilft uns ja immer noch nicht weiter, wenn wir die Aussprache nicht kennen, die aus den chinesischen Zeichen nicht klar ersichtlich ist. Dafür gibt es vorne einen Index. Um unser Zeichen darin zu finden, müssen wir nun das Radikal finden. Das Radikal ist eine prägnante Einheit, die oft eine Sinnkomponente des Wortes wiedergibt. Meist steht es an der linken Seite des Zeichens, aber das muss nicht immer so sein. Lernt man die chinesische Sprache und Schrift, so wird man darauf geschult, diese Radikale zu finden.
Nehmen wir nun das Zeichen . Hier ist das Radikal die linke Komponente, die angibt, dass das Zeichen etwas mit Sprache zu tun haben muss. Im Index sind zunächst die Radikale nach ansteigender Strichanzahl aufgelistet. Unser Radikal hat zwei Striche. Haben wir das Radikal nun im ersten Index gefunden, so wird uns eine Zahl angezeigt. Die Zahl bringt uns im nächsten Index zu allen Zeichen, die das Radikal enthalten. Diese sind wiederum nach Strichanzahl der restlichen Komponenten geordnet. Unsere zweite Komponente hat sechs Striche und mit dieser Info finden wir das ganze Zeichen mit der Aussprache. Unter dieser Aussprache können wir es nun im eigentlichen Wörterbuch finden.

Man sieht, das ist ein ziemlicher Aufwand, aber durch Übung wird man schneller und schneller. Außerdem hilft wie gesagt der technische Fortschritt heutzutage enorm bei der Suche nach Schriftzeichen.


Dienstag, 26. August 2014

Was nach dem Tod bleibt

Dass mehr und mehr Sprachen bedroht sind und im Begriff sind zu sterben, sollte langsam in der Öffentlichkeit angekommen sein. Es wird davon ausgegangen, dass in ca. einem Jahrhundert nur noch ein Bruchteil von dem übrig sein wird, was wir als Sprachenreichtum der Erde bezeichnen.
Programme zur Stärkung oder sogar Revitalisierung von Sprachen sind eine gute Sache, doch der Sprachtod ist wegen zunehmender Globalisierung häufig nicht zu umgehen. Was also tun?

Nicht nur die Linguistik hat es sich in den letzten Jahren zur Aufgabe gemacht, sterbende Sprachen zu dokumentieren, um sie weiterhin erforschen zu können, ihr Kulturgut zu konservieren und zu archivieren. Dass Sprachen Träger des Kulturguts von Völkern ist, hat auch die UNESCO erkannt und will auf das Aussterben aufmerksam machen. Durch ihren Atlas of the World’s Languages in Danger sollen gefährdete Sprachen lokalisiert und ihr Vitalitäts-Grad sichtbar gemacht werden. Andere große Projekte zur Archivierung gehen zum Beispiel vom Max-Planck-Institut oder von der SOAS London aus.

Atlas of the World's Languages in Danger
Praktisch sieht Sprachdokumentation folgendermaßen aus: Ausgestattet mit Kamera und Mikrophon gehen Linguisten, aber auch Anthropologen etc., auf Feldforschung, zeichnen Gespräche, alltägliche Situationen usw. auf und annotieren und übersetzen die Aufnahmen mit Hilfe der Sprecher, um Bedeutung und Grammatik festzuhalten.

Es ist daher Aufgabe vor allem der Linguisten Sprachen und ihren Kontext zu dokumentieren, um sie auch für nachfolgende Generationen greifbar zu machen. Projekte wie zum Beispiel das Endangered Languages Project von Google lassen es aber mittlerweile auch zu, dass Laien Aufnahmen etc. online stellen können.

Am Ende wird es stimmlos

08:17 Posted by Jonas Lau , , No comments
Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, wo der Aussprache-Unterschied zwischen „Rat“ und „Rad“ liegt? Da kann man lange suchen, denn es gibt keinen. Beide Wörter werden gleich ausgesprochen und gleichermaßen transkribiert: [ʁa:t]

Woran liegt das? Und vor allem: Warum werden die beiden Wörter unterschiedlich geschrieben?
Dass sie unterschiedlich geschrieben werden, macht bei genauerem Hinschauen schon Sinn, denn was dem Laut am Ende des Wortes „Rad“ zu Grunde liegt ist tatsächlich ein d, das durch den Plural (Räder) zum Vorschein kommt. Aber warum nun die Aussprache [t]?
Dieses Phänomen wird Auslautverhärtung genannt und ist ein phonologischer Prozess, der in einzelnen Sprachen wie zum Beispiel im Russischen oder Türkischen vorkommt. Auch im Deutschen ist er äußerst produktiv, weswegen er auch auf Fremdwörter angewandt wird und daher unseren deutschen Akzent ausmacht. Somit liegen Kinder eigentlich gar nicht so falsch, wenn sie intuitiv „Walt“ statt „Wald“ schreiben.

Die Auslautverhärtung ist ein Prozess, bei dem einige Konsonanten am Wort- oder Silbenende ihre Stimmhaftigkeit verlieren. Somit wird z.B. aus [d] ein [t], aus [b] ein [p], aus [v] ein [f] oder aus [g] ein [k].
Prüft es durch Aussprache der folgenden Wörter:

„brav“ – „braves“
„Wald“ – „Wälder“
„lieb“ – „liebe“
„Sand“ – „sandig“
„Krug“ – „Krüge“

Sonntag, 24. August 2014

Vokabeln lernen

10:43 Posted by Jonas Lau , No comments
Für alle, die es noch nicht kennen: Ich empfehle wärmstens das kostenlose Vokabel-Programm ANKI, mit dem sich Karteikarten-Stapel leicht organisieren lassen. Die Karteikarten werden an die menschliche Gehirnleistung angepasst abgefragt. Vor allem für unterwegs lohnt sich die App für Smartphones oder Tablets. Um auf allen Geräten auf dem gleichen Stand zu sein und um immer ein Backup zu haben, lässt sich die eigene Datenbank leicht mit AnkiWeb synchronisieren. 




Freitag, 22. August 2014

Konsonanten vs. Vokale

02:54 Posted by Jonas Lau , No comments
Warum unterscheiden wir Vokale und Konsonanten? Und was genau ist der Unterschied?

Versuchen wir es einmal selbst herauszufinden:
Als erstes sprechen wir den Laut [p] aus. Es fällt auf, dass der Mund ganz geschlossen wird, bevor ein Luftstrom herausschnellt. Sprechen wir den Laut [n] aus, so schließen wir den Mund durch die Zunge ab und die Luft entweicht durch die Nase. Das kann man leicht prüfen, indem man seine Nase verschließt und merkt, dass die Produktion des Lautes nicht mehr möglich ist. Sprechen wir ein [f], so fällt auf, dass die Luft durch eine ganz kleine Lücke zwischen Zähnen und Lippe entweicht. Man nennt das eine kritische Enge. Es gibt noch andere Arten, Konsonanten zu bilden, doch vergleichen wir sie nun einmal mit Vokalen: Sprechen wir [a], [i], [u], etc. aus, so wird der Luftstrom weder durch einen Verschluss noch durch andere Mechanismen gehemmt. Der Luftstrom wird höchstens durch die Lippen, die Zungenlage und die Zungenhöhe modifiziert:
Quelle: Wikipedia


Man sagt auch Vokale sind sonorer als Konsonanten, haben also eine größere Schallfülle. Der Begriff VOKAL leitet sich übrigens von lateinisch vocalis – „tönend“ ab (vgl. vox – „Stimme“).
Häufig tragen Vokale eine Silbe, das heißt, sie bilden den Kern der Silbe.

Hat also jede Silbe mindestens einen Vokal, der die Silbe trägt? Nein, denn besonders sonore Konsonanten wie zum Beispiel das gerollte R [r] oder Nasale wie [m] oder [n] können auch als Silbenkern fungieren. So existiert zum Beispiel im Tschechischen der Satz Strč prst skrz krk – „Steck den Finger durch die Kehle“ ohne Vokale. Und in afrikanischen Niger-Kongo-Sprachen können Nasale auch Töne tragen, sodass sie zum Silbenkern werden. Silbische Nasale kommen aber genauso auch im Deutschen vor. Sprechen wir das Wort „haben“ aus, so wird meist [ha:bm̩] produziert und trotzdem existieren noch zwei Silben. Den zweiten Silbenkern bildet das m.

Donnerstag, 21. August 2014

Klicksprachen

06:21 Posted by Jonas Lau , , , 1 comment
Da ich Afrikanistik studiere, bekomme ich häufig zu hören:
„Sprechen die da nicht alle mit Schnalz- und Klicklauten?“

Die Aussage kann man verneinen, da auf dem afrikanischen Kontinent eine immense Sprachvielfalt existiert und man daher nicht generalisieren kann.

Trotzdem gibt es Sprachen, die Klicklaute enthalten, auch wenn es nicht viele sind, einige dieser Sprachen aussterben und viele die Klicks in ihrem Phoneminventar verlieren.
Aber zunächst einmal zu den Lauten – den Klicks: Was ist eigentlich ein Klick?

Klicks sind Phone (Laute) die auch eigene IPA-Symbole haben: ʘ, ǀ, ǃ, ǂ, ǁ. 
Besonders an den Klicks ist die Luftzirkulation. Anders als bei den meisten Lauten wird der Luftstrom aus der Lunge nicht modifiziert, sondern es tritt ein Verschluss durch den hinteren Gaumen (Velum) statt. Durch diesen Verschluss ist es möglich, im Mundraum durch verschiedene Vorgehensweisen einen Unterdruck zu erzeugen. Meist wird der Unterdruck durch die Zunge erzeugt, die wie ein Saugnapf am Gaumen klebt. Löst man die Zunge nun, entweicht die Luft schlagartig und ein Klick ist zu hören. Es gibt aber auch einen Klick, der nicht durch die Zunge produziert wird: Der bilabiale Klick wird durch die Lippen erzeugt, die zusammengepresst nach vorne gestülpt werden, sodass ein Laut entsteht, der z.B. produziert wird, wenn ein Kuss simuliert wird. Insgesamt existieren diese Klicks in vielen Sprachen als Ausdruck des Missfallens oder zum Locken von Tieren.
Hier ein Video über Klicks im Khoekhoegowab:

Um nun auf das Thema, also die Klicksprachen, zurückzukommen: Wo kommen die Klicklaute denn wirklich als Phoneme vor?

Hauptsächlich und wahrscheinlich auch ursprünglich kommen sie in den Khoisansprachen vor, einer der Sprachfamilien Afrikas, von der angenommen wird, dass ihre Sprachen früher in weiten Teilen von Afrikas Süden gesprochen worden sind. Heutzutage werden diese Sprachen hauptsächlich in Namibia und umliegenden Ländern 
gesprochen. Die Sprecher dieser Sprachen wurden während des Kolonialismus Buschmänner und Hottentotten genannt. Auch ein paar umliegende Bantusprachen haben Klicks in ihre Phoneminventare aufgenommen, wie z.B. Zulu und Xhosa, die in Südafrika gesprochen werden. Bekannt geworden ist die südafrikanische Sängerin Miriam Makeeba, die wie im Click Song auch in Xhosa sang.

Mittwoch, 20. August 2014

Feldforschung - Trockenübung

18:08 Posted by Jonas Lau , No comments
Wer sich einmal als Feldforscher ausprobieren will, dem möchte ich zeigen, wie man leicht von zu Hause aus einen Einblick in die Materie bekommen kann. 

Die erste Aufgabe des Feldforschers, nachdem er sich Tonmaterial zum Beispiel durch Wortlisten gesichert hat, ist es, das Tonmaterial zu transkribieren. Eine einfache Möglichkeit ist es, die Tonspur mithilfe eines Bearbeitungsprogramms mit einer Textspur zu unterlegen. 

Und genau das können wir ausprobieren:
Im Internet kostenlos downloadbar ist das Programm Audacity, mit dem man Audiodateien aufnehmen, bearbeiten und mit Textspuren unterlegen kann.
An Tonmaterial kann man im Internet leicht über Youtube kommen. Am besten einfach ein Video in einer Sprache runterladen, mit der man sich schon ein wenig beschäftigt hat, damit die Arbeit für den Anfang nicht zu schwer wird. Um das Video als Tondatei zu speichern, kann man zum Beispiel das Programm ClipGrab verwenden, das ebenfalls kostenlos heruntergeladen werden kann.
Mit dieser Methode kann ganz einfach nicht vollständig verständliches Tonmaterial Wort für Wort auch mit verlangsamter Geschwindigkeit gehört und analysiert werden.
Viel Spaß beim Ausprobieren!

Laute zum Schreiben

17:28 Posted by Jonas Lau , No comments
Das digitale Schreiben von IPA-Zeichen kann ziemlich umständlich sein, wenn man sich die Zeichen einzeln aus der Zeichentabelle holt oder gar aus anderen Dokumenten kopiert.
Eine einfachere Handhabung bieten folgende Möglichkeiten:

Die Zeichen hier lassen sich leicht verorten und später kopieren. Ideal für kurzen Gebrauch.

Für häufigeren Gebrauch lohnt sich ein IPA-Font, dessen Gebrauch mit etwas Aufwand erlernt werden kann.

Gebraucht man einige Zeichen besonders häufig, so lohnt es sich, seine eigene Tastatur zu modifizieren.
Dazu kann hier der Microsoft Keyboard Layout Creator heruntergeladen werden. Werden nähere Erklärungen hierzu gebraucht, einfach in den Kommentaren nachfragen.

Das russische Alphabet und die Kyrilliza

14:14 Posted by Jonas Lau , , No comments
Wer sich schon einmal mit der russischen Sprache befasst hat, weiß, dass diese nicht wie die meisten europäischen Sprachen mit dem Lateinischen Schriftsystem geschrieben wird, sondern mit einem anderen, das für die slawischen Sprachen und vor allem für die Russische Sprache mit ihrem Lautinventar besser geeignet zu sein scheint. Das fällt vor allem beim Versuch russische Wörter oder Namen zu transkribieren auf.
Dieses Schriftsystem wird die „Kyrilliza“ (Кирилица) oder auch „kyrillisches Alphabet“ genannt und geht auf die „Glagoliza“ zurück, die vermutlich im 9.Jh hauptsächlich aus dem griechischen Alphabet entwickelt worden ist, um für die Christianisierung der slawischen Völker Bibeltexte im Altkirchenslawischen aufzeichnen zu können.
In der Sowjetunion wurde die Kyrilliza dann auch benutzt, um andere, nicht-slawische Sprachen aufzeichnen zu können. Daher benutzt man heute noch z. B. für das Kasachische, das Tadschikische und das Tschetschenische kyrillische Alphabete.

Aber kommen wir zurück zum russischen Alphabet:

АБВГДЕЁЖЗИЙКЛМНОПРСТУФХЦЧШЩЬЫЪЭЮЯ

Eine Besonderheit der Russischen Sprache ist, dass fast alle Konsonanten in Paaren auftreten: Zu jedem Konsonanten gibt es jeweils einen palatalisierten Partner. Das heißt, dass der Konsonant einen kleinen J-Anteil bekommt. (Wissenschaftlich ausgedrückt: der Konsonant wird palatalisiert)
Es gibt also zum Beispiel einen Laut, der ähnlich dem deutschen <t> ist, und einer, der sich fast so anhört wie ein <tj>. Am deutlichsten wird der Unterschied beim <л>, das wie ein <l> im kölnischen Dialekt ausgesprochen wird. Der Partner dazu hört sich dann ähnlich wie ein <lj> an.
Das besondere bei der russischen Schrift ist nun, dass man die palatalisierten Konsonanten genau wie ihre nicht-palatalisierten Partner schreibt.
Dass der Konsonant aber palatalisiert ist, kann man dadurch ausdrücken, dass ein sogenanntes Weichheitszeichen (ь) folgt: <л> - <ль>.
Folgt ein Vokal, so gibt es noch eine andere Möglichkeit.
Alle Vokale sind auch in Paare unterteilt. Einmal die nichtjodierten, von denen die meisten deutschen Vokalen ähnlich sind: а э ы о у
Und dann die iodierten, die ausdrücken, dass der Konsonant vorher ein palatalisierter Konsonant ist:
я е и ё ю
Anna schreibt man im Russischen so: Анна
Wollen wir das <n> aber palatalisiert haben, also Anna zu Anja machen, schreibt man hinter dem <n> nicht das normale, nichtjodierte <a> sondern das <ja> (я), das ausdrückt, dass das <n> palatalisiert ist: Аня.

Bei weiterem Interesse empfehle ich diesen Link, unter dem auch die Aussprache der Buchstaben angehört werden kann.




Das Rezept für ein Wort

14:09 Posted by Jonas Lau , No comments
Eine spannende Frage der Linguistik ist: Wie entsteht ein Wort?
Wollen wir der Frage auf den Grund gehen, machen wir das hauptsächlich in der Ebene der Morphologie, die sich mit Wörtern, ihren Bestandteilen und ihrer Bildung auseinandersetzt.

Stellt euch nun einmal ein ganz simples Wort vor!
Wenn ein Wort ganz simpel sein soll, dann liegt es nahe, ein Nomen zu nehmen und zwar eines, das einen konkreten Gegenstand beschreibt. So ein Wort kann man sich sofort bildlich vorstellen.
Ihr Wort wird nun wahrscheinlich in der Einzahl stehen – so simpel wie möglich eben.
So ein Wort könnte nun „Baum“ oder „Haus“ oder „Berg“ sein.
All diese Wörter können wir nicht in einzelne Wort-Bestandteile zertrennen - in unserer morphologischen Ebene sind diese Elemente also Grundbausteine, die wir Morpheme nennen. Und Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Teile in einer Sprache, was an den Beispielen gut zu erkennen ist. Das „Baum“ eine Bedeutung trägt, dürfte klar sein, genauso auch die Tatsache, dass eine kleinere Einheit von Baum, also zum Beispiel „b“ keine Bedeutung trägt, sehr wohl aber bedeutungsunterscheidend ist. Würden wir es z. B. durch „r“ ersetzen, erhielten wir eine andere Bedeutung: „ Raum“.
Kommen wir aber nun zurück zu den bedeutungstragenden Bausteinen, den Morphemen. Mit denen können wir jetzt neue Wörter „bauen“: Baum-Haus zum Beispiel.
Diese Art zu „bauen“ nennen wir Komposition, aber es gibt noch einige andere Arten zu bauen.
Zum Beispiel können wir ein anderes Morphem, was ganz unscheinbar so aussieht:  „-heit“, an das Morphem „Mensch“ anbauen und schon haben wir nicht nur einen Mensch, sondern die ganze „Mensch-heit“! Wer mir nicht glaubt, dass auch „-heit“ ein Morphem ist, dem kann ich sagen, dass es doch bedeutungstragend ist, also eine weitere Bedeutungskomponente an die andere Bedeutungskomponente (Mensch) anbaut.

Was nun deutlich geworden sein müsste, ist, dass ein Wort sowohl aus einem Morphem („Mensch“), als auch aus mehreren Morphemen bestehen kann („Menschheit“).
Die deutsche Sprache kann quasi unendlich viele Morpheme aneinanderreihen und herauskommen können Wörter wie:

Bereitschaftsdienstableisterinnentagung
Entdeckt ihr auch elf Morpheme?

Lautschriften und Klassifikation von Lauten

14:08 Posted by Jonas Lau , , No comments
Wie schon erklärt, behandelt die Phonetik die Oberfläche der Sprache, beschreibt also die physikalisch produzierten Laute.
Wenn wir nun versuchen, alle uns bekannten Laute auszusprechen und auch noch aufzuschreiben, stoßen wir auf zwei große Probleme:

1.    Wir wissen nicht wo wir anfangen und aufhören sollen - allein in der deutschen Sprache gibt es viele verschiedene Laute, die wir gerne in eine Ordnung bringen wollen. Dazu müssen wir uns anschauen, was es für Kategorien gibt, und versuchen, all diese Laute zu klassifizieren.
2.    Wir haben erst einmal keine Möglichkeit, diese Laute distinktiv, also unterscheidend, zu notieren. Benutzen wir die deutsche Schrift dafür, fällt uns schon auf, dass z. B. der Laut, der am Ende des Wortes „Buch“ durch „ch“ wiedergegeben wird, nicht der gleiche ist, wie der, der im Wort „Bücher“ durch „ch“ wiedergegeben wird. Wir brauchen also eine allgemein gültige Lautschrift, mit der wir in der Lage sind, die verschiedenen Laute der Sprachen distinktiv zu notieren.

Wir gehen also als erstes einmal das Problem der Klassifikation an und versuchen dazu, die Phone (Laute) zu unterscheiden und Kategorien, in die wir sie einteilen können, zu finden. Zwei Hauptkategorien sind uns dabei schon aus der Schule bekannt: Vokale und Konsonanten.
Was der genaue Unterschied zwischen ihnen ist, will ich in diesem Post noch nicht verdeutlichen. Da jeder den Unterschied im Sprachgefühl beherrscht, werde ich erst einmal diese Kategorien in weitere Unterkategorien aufteilen.
Um Konsonanten grob zu beschreiben, können wir versuchen herauszufinden, wo im Mund und Rachen sie gebildet werden, wie sie gebildet werden und ob die Stimmlippen dabei mitschwingen oder nicht. Ein weiterer Post wird das noch einmal genauer unter die Lupe nehmen.
Nehmt euch zum Beispiel einmal den deutschen Konsonanten <t> und versucht, ihn zu beschreiben. Zur Frage „wo?“ also zur Frage des Artikulationsorts kann man sagen, dass er direkt hinter den Zähnen mit der Zungenspitze gebildet wird. Dieser Ort wird Zahndamm (die „Alveolen“) genannt und damit können wir diesen Laut als „alveolar“ bezeichnen. Wenn wir noch mehr deutsche Laute unter die Lupe nehmen, merken wir, dass auch die deutschen Laute <n>, <s>, <d> und <l> am gleichen Ort gebildet werden. Also sind auch diese Laute alveolar.
Auch die Vokale kann man in bestimmte Kategorien unterteilen.

Wenn dann alle Laute kategorisiert worden sind, können wir versuchen, sie in Tabellen einzutragen. Und genau das hat die „International Phonetic Association“ gemacht.
Natürlich hat sie dafür nicht die Englische oder Deutsche Rechtschreibung genommen, sondern hat jedem Laut ein eigenes Zeichen gegeben, dass universal in jedem Land gebraucht werden kann. Mit dieser Lautschrift soll jede Sprache der Welt lautlich wiedergegeben werden können.
Wer sich das einmal anschauen will, kann unter diesem Link eine PDF mit allen Zeichen bekommen. Das sieht auf den ersten Blick sehr kompliziert aus, aber wer genauer hinschaut, sieht, dass viele Zeichen der lateinischen Schrift ähnlich sind und dass das meistens genau die gleiche Schrift ist, die auch in vielen Lehrbüchern für Sprachen benutzt wird, um die Aussprache zu verdeutlichen.
Natürlich gab es auch andere Gruppierungen und Gesellschaften, die andere Lautschriften entwickelt haben, aber die sogenannte IPA hat sich am meisten durchgesetzt und wird in vielen Universitäten und auch in den meisten Lehr- und Wörterbüchern verwendet.


Linguistik - ihre Ebenen und Bausteine

13:55 Posted by Jonas Lau No comments
Sprache ist multidimensional. Um sie beschreiben zu können, müssen wir also in mehreren Ebenen denken.

Gehen wir also zuerst einmal ganz oberflächlich an die Sprache heran. Angenommen wir nehmen eine für uns fremde Sprache war, so wird all das, was wir rein physikalisch wahrnehmen, von der Phonetik beschrieben. Die Bausteine der Phonetik sind Phone, also Laute, aus denen sich Sprache zusammensetzt. Phonetik befasst sich damit, wie Laute entstehen, wie wir sie klassifizieren – also in Gruppen einteilen können, wie die Laute übertragen werden und wie wir sie als Signal aufnehmen.
Wollen wir innerhalb der lautlichen Ebene unter die Oberfläche schauen, so befassen wir uns damit, in welcher Umgebung verschiedene Laute stehen, wie Laute sich verändern und sich beeinflussen und zum Beispiel wie eine Silbe aufgebaut ist. Anstelle von Phonen, die oberflächlich physikalisch wahrnehmbare Laute sind, beschäftigt sich diese nächste Ebene, die Phonologie, mit Phonemen – abstrakte bedeutungsunterscheidende Bausteine. So kann in einer Sprache zum Beispiel das Phonem /r/ durch verschiedene r-Laute (Phone) realisiert werden. Wir können es durch ein Zungenschlag-r [ɾ], ein am Zäpfchen gerolltes [ʀ] oder ein dort „geriebenes“-r [ʁ] realisieren ohne eine bedeutungsunterscheidende Wirkung zu haben.
Aus den Phonemen werden aber nicht gleich Wörter gemacht, denn in der nächsten Ebene, der Morphologie, beschäftigen wir uns nicht direkt mit Wörtern, sondern erst einmal mit meist kleineren Bausteinen, den Morphemen. Wenn wir uns nämlich zum Beispiel deutsche Wörter einmal anschauen, sind darin oft mehrere bedeutungstragende Teile kombiniert. Zum Beispiel das Wort „Volkslieder“ enthält vier bedeutungstragende Bausteine (Morpheme). Das offensichtlichste ist hier wohl „Lied“. Zwischen Volkslieder und Lied ist aber ein Bedeutungsunterschied, der daher rührt, dass durch andere Morpheme, wie zum Beispiel „Volk“, das Fugenmorphem „-s-“ und das „-er“, welches die Mehrzahl anzeigt, die Bedeutung verändert wird.  Die Morphologie beschäftigt sich also damit, was Morpheme sind, wie sie klassifiziert werden können und wie aus ihnen Wörter werden.
Wie dann aus Morphemen und Wörtern erst Phrasen und dann Sätze werden, erklärt die Syntax. Sie erforscht Regeln zur Bildung von Sätzen und erklärt dadurch, wie aus der Gesamtheit der Einzelbedeutungen von Wörtern komplexe Gedanken in einem Satz werden können.  Phrasen sind dabei erste Zusammenfügungen von Wörtern, die dadurch gekennzeichnet sind, dass ein Wort die anderen regiert, also beeinflusst. So haben wir zum Beispiel in einer Nominalphrase „ein großes Haus“ das Nomen, welches die anderen in Kasus Numerus und Genus beeinflusst. Deshalb können wir auch nicht sagen „eine großen Haus“.
Eine ganz andere Ebene, die sich nicht mit dem formalen Aufbau von Sprachbausteinen beschäftigt, sondern allgemein mit ihrer Bedeutung, nennt man Semantik.  Sie befasst sich nicht nur mit der Einzelbedeutung, sondern auch, wie sich diese Bedeutung im Satzzusammenhang verändern kann und wie Wörter nur in bestimmten Kontexten Bedeutungen erlangen können.
Was Wörter und Sätze in der realen Welt bewirken, beschreibt die Pragmatik. Ihre Forschungsgegenstände sind also Sprechsituationen und Gespräche, die nach bestimmten Regeln ablaufen müssen, um die Intention des Sprechers auch beim Hörer ankommen zu lassen. So kann die Bedeutung eines Satzes, wenn er in einem bestimmten Zusammenhang gesprochen wird, durch Ironie umgekehrt werden. Wie das funktioniert erklärt die Pragmatik.

Sprache kann also in all diesen Ebenen erforscht werden. Dabei muss aber bedacht werden, dass sie alle Schnittstellen haben. So kann zum Beispiel durch phonologische Prozesse, wie durch die Satzintonation, die Semantik (also Bedeutung) geändert werden. Also sind diese Ebenen wichtig, um Sprache zu unterteilen und sie gezielt erforschen zu können, doch muss man feststellen, dass Sprache sich nicht wie eine Torte in Stücke teilen lässt, sondern immer auch als Ganzes gesehen werden muss.