ÜBER SPRACHE

Mittwoch, 20. August 2014

Das Rezept für ein Wort

14:09 Posted by Jonas Lau , No comments
Eine spannende Frage der Linguistik ist: Wie entsteht ein Wort?
Wollen wir der Frage auf den Grund gehen, machen wir das hauptsächlich in der Ebene der Morphologie, die sich mit Wörtern, ihren Bestandteilen und ihrer Bildung auseinandersetzt.

Stellt euch nun einmal ein ganz simples Wort vor!
Wenn ein Wort ganz simpel sein soll, dann liegt es nahe, ein Nomen zu nehmen und zwar eines, das einen konkreten Gegenstand beschreibt. So ein Wort kann man sich sofort bildlich vorstellen.
Ihr Wort wird nun wahrscheinlich in der Einzahl stehen – so simpel wie möglich eben.
So ein Wort könnte nun „Baum“ oder „Haus“ oder „Berg“ sein.
All diese Wörter können wir nicht in einzelne Wort-Bestandteile zertrennen - in unserer morphologischen Ebene sind diese Elemente also Grundbausteine, die wir Morpheme nennen. Und Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Teile in einer Sprache, was an den Beispielen gut zu erkennen ist. Das „Baum“ eine Bedeutung trägt, dürfte klar sein, genauso auch die Tatsache, dass eine kleinere Einheit von Baum, also zum Beispiel „b“ keine Bedeutung trägt, sehr wohl aber bedeutungsunterscheidend ist. Würden wir es z. B. durch „r“ ersetzen, erhielten wir eine andere Bedeutung: „ Raum“.
Kommen wir aber nun zurück zu den bedeutungstragenden Bausteinen, den Morphemen. Mit denen können wir jetzt neue Wörter „bauen“: Baum-Haus zum Beispiel.
Diese Art zu „bauen“ nennen wir Komposition, aber es gibt noch einige andere Arten zu bauen.
Zum Beispiel können wir ein anderes Morphem, was ganz unscheinbar so aussieht:  „-heit“, an das Morphem „Mensch“ anbauen und schon haben wir nicht nur einen Mensch, sondern die ganze „Mensch-heit“! Wer mir nicht glaubt, dass auch „-heit“ ein Morphem ist, dem kann ich sagen, dass es doch bedeutungstragend ist, also eine weitere Bedeutungskomponente an die andere Bedeutungskomponente (Mensch) anbaut.

Was nun deutlich geworden sein müsste, ist, dass ein Wort sowohl aus einem Morphem („Mensch“), als auch aus mehreren Morphemen bestehen kann („Menschheit“).
Die deutsche Sprache kann quasi unendlich viele Morpheme aneinanderreihen und herauskommen können Wörter wie:

Bereitschaftsdienstableisterinnentagung
Entdeckt ihr auch elf Morpheme?

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen