ÜBER SPRACHE

Mittwoch, 20. August 2014

Das russische Alphabet und die Kyrilliza

14:14 Posted by Jonas Lau , , No comments
Wer sich schon einmal mit der russischen Sprache befasst hat, weiß, dass diese nicht wie die meisten europäischen Sprachen mit dem Lateinischen Schriftsystem geschrieben wird, sondern mit einem anderen, das für die slawischen Sprachen und vor allem für die Russische Sprache mit ihrem Lautinventar besser geeignet zu sein scheint. Das fällt vor allem beim Versuch russische Wörter oder Namen zu transkribieren auf.
Dieses Schriftsystem wird die „Kyrilliza“ (Кирилица) oder auch „kyrillisches Alphabet“ genannt und geht auf die „Glagoliza“ zurück, die vermutlich im 9.Jh hauptsächlich aus dem griechischen Alphabet entwickelt worden ist, um für die Christianisierung der slawischen Völker Bibeltexte im Altkirchenslawischen aufzeichnen zu können.
In der Sowjetunion wurde die Kyrilliza dann auch benutzt, um andere, nicht-slawische Sprachen aufzeichnen zu können. Daher benutzt man heute noch z. B. für das Kasachische, das Tadschikische und das Tschetschenische kyrillische Alphabete.

Aber kommen wir zurück zum russischen Alphabet:

АБВГДЕЁЖЗИЙКЛМНОПРСТУФХЦЧШЩЬЫЪЭЮЯ

Eine Besonderheit der Russischen Sprache ist, dass fast alle Konsonanten in Paaren auftreten: Zu jedem Konsonanten gibt es jeweils einen palatalisierten Partner. Das heißt, dass der Konsonant einen kleinen J-Anteil bekommt. (Wissenschaftlich ausgedrückt: der Konsonant wird palatalisiert)
Es gibt also zum Beispiel einen Laut, der ähnlich dem deutschen <t> ist, und einer, der sich fast so anhört wie ein <tj>. Am deutlichsten wird der Unterschied beim <л>, das wie ein <l> im kölnischen Dialekt ausgesprochen wird. Der Partner dazu hört sich dann ähnlich wie ein <lj> an.
Das besondere bei der russischen Schrift ist nun, dass man die palatalisierten Konsonanten genau wie ihre nicht-palatalisierten Partner schreibt.
Dass der Konsonant aber palatalisiert ist, kann man dadurch ausdrücken, dass ein sogenanntes Weichheitszeichen (ь) folgt: <л> - <ль>.
Folgt ein Vokal, so gibt es noch eine andere Möglichkeit.
Alle Vokale sind auch in Paare unterteilt. Einmal die nichtjodierten, von denen die meisten deutschen Vokalen ähnlich sind: а э ы о у
Und dann die iodierten, die ausdrücken, dass der Konsonant vorher ein palatalisierter Konsonant ist:
я е и ё ю
Anna schreibt man im Russischen so: Анна
Wollen wir das <n> aber palatalisiert haben, also Anna zu Anja machen, schreibt man hinter dem <n> nicht das normale, nichtjodierte <a> sondern das <ja> (я), das ausdrückt, dass das <n> palatalisiert ist: Аня.

Bei weiterem Interesse empfehle ich diesen Link, unter dem auch die Aussprache der Buchstaben angehört werden kann.




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